Der Weg von Berastagi zum Toba-See und der Insel Samosir hält ein paar Attraktionen für dich bereit! Der Sipiso-Piso Wasserfall ist ein beeindruckendes Naturschauspiel, das du dir nicht entgehen lassen solltest. Kulturell ist ein Besuch in einer ehemaligen Palaststätte der Simalungun-Batak, dem Pematang Purba empfehlenswert.

Früh am Morgen setzten wir uns mit den neu gewonnenen Bekannten Harry und Leni aus den Niederlanden in das Auto. Gemeinsam mit dem Fahrer schlugen wir die Straße nach Süden Toba-See ein. Über Kabanjahe gelangten wir auf die Hauptstraße. Kleine Hütten und Läden säumten die Straße. Zwischen den Reisfeldern wurde vor Allem Maniok angebaut, der hier einen wesentlichen Bestandteil der Ernährung ausmacht.

Dorfzentren und Siedlungen sucht man auf dem Land vergeblich. Die Menschen leben hauptsächlich direkt an der Straße. Diese bietet ihnen Möglichkeiten zum Verkauf von Waren wie Lebensmitteln oder Sprit.

Hinunter in die Schlucht des Sipiso-Piso Wasserfalls

Den Sipiso-Piso Wasserfall (auch als Air Terjun Sipiso Piso bekannt) erreichten wir nach etwa zwei Stunden Fahrt. Für die knapp 60 km Strecke eine beachtliche Zeit. Schnellstraßen waren in Indonesien auch nicht zu erwarten.

Bereits nach wenigen Metern, die wir zu Fuß zurücklegten, bot sich ein toller Anblick! Der Sipiso-Piso Wasserfall fällt von einer Hochebene abrupt in ein Tal hinab. Die scharfe Abbruchkante zieht sich senkrecht bis in die Schlucht. Etwa 120 m fällt das Wasser in die Tiefe hinab. Das wollte ich mir natürlich aus der Nähe anschauen!

Blick auf die Abbruchkante in die Schlucht des Sipiso-Piso Wasserfalls

Der Weg in die Schlucht zum Sipiso-Piso Wasserfall hinab war stellenweise recht abenteuerlich. An manchen Stellen war der Weg ausgespült, oder vormals befestigte Abschnitte waren weggebrochen. Auf halber Strecke nach unten hatte sich ein findiger Geschäftsmann ein Café eingerichtet. Mit der einzigen Toilette weit und breit!

Auf dem Weg in die Schlucht hinunter tauschte ich mich viel mit Harry und Leni und ihre Reiseerfahrungen aus. Harry entpuppte sich als echter Experte mit indonesischen Verwandten und diversen indonesischen Sprachkursen, die er in seinem Studium absolviert hatte.

Der rauschende Sipiso-Piso Wasserfall ganz nah

Das Ende des Weges bildete der Wasserlauf, der sich aus dem Sipiso-Piso Wasserfall speiste. Ab hier gab es mit Schuhen kein Weiterkommen mehr. Ich war den ganzen Weg auch mit Flipflops nach unten gegangen. Falls du jetzt denkst, dass das eine Dumme Idee ist, hast du schon ein bisschen recht. Meine Wanderschuhe wollte ich aber wegen der Nässe nicht anziehen und so blieben nur die Schaumstofflatschen.

Barfuß balancierte ich über eine aus Bambus geflochtene Brücke über den Wasserlauf. Die letzten Meter bis zu dem kleinen See, den der Sipiso-Piso Wasserfall ausgespült hatte, waren schlammig und grasbewachsen. Das Gras wich dunklen Steinen und dann stand ich vor dem Giganten. Was für ein toller Anblick! Es war so viel Wasser als Tröpfchen in der Luft, dass ich meine Brille ständig abwischen musste, sonst hätte ich gar nichts gesehen.

Mann blickt hoch zum Sipiso-Piso Wasserfall
Mann balanciert vor Sipiso-Piso Wasserfall auf Baumstamm

Zu meiner Überraschung badete ein Einheimischer mit seinen Kindern in dem kleinen See des Sipiso-Piso Wasserfalls. Er hatte eine riesige Freude daran, seinen Urschrei auszustoßen! Seine Kinder taten es ihm gleich, aber das ging im Getöse des Wasserfalls unter.

Wenn du auch den Sipiso-Piso Wasserfall besuchen möchtest, dann komm auf jeden Fall in Badehose! Dieses Erlebnis blieb mir leider verwehrt, aber das muss bei dir ja nicht so sein.

Nach dem Rückweg über die improvisierte Brücke war ich durch den Nebel natürlich trotzdem komplett nass.

Bis ich wieder oben am Rand des Canyons angekommen war, war ich aber zum Glück wieder trocken genug, um in das Auto zu steigen und die Fahrt zum Pematang Purba, dem ehemaligen Königshaus der lokalen Batak fortzusetzen.

Die königlichen Hallen des Pematang Purba

Unser Fahrer brachte uns gut gelaunt zum Eingang der Siedlung. Gegen eine geringe Gebühr wurden wir am Eingang eingelassen und auf das Gelände des Pematang Purba geführt.

Eigentlich hatte ich erwartet, dass sich hier einige Touristen tummeln und die Architektur der Batak bewundern. Dem war aber überhaupt nicht so! Auf dem ganzen Gelände war unsere Reisegruppe von vier Personen die Einzige.

Königliches Batak Langhaus im Pematang Purba Palast auf Holzsäulen
Nebenhaus des Pematang Purba auf runden Baumstämmen

Mich erinnerten die großen Holzgebäude an eine Art Schiff, fast wie eine Arche. Die riesigen Holzbalken, die den gesamten Komplex trugen, bestanden aus einzelnen Baumstämmen, die in Handarbeit bearbeitet worden waren. Teilweise wurden die Stämme von geradezu filigran anmutenden Holzsäulen getragen. Die reich mit Mustern verzierten Säulen wirkten äußerst kunstvoll.

Über Holzleitern konnten die Gebäude auch von innen besichtigt werden. Leider zeigte sich hier massiv der Verfall der kompletten Anlage des Pematang Purba. Die Feuerstellen im Inneren waren schon Jahrzehnte nicht mehr in Betrieb und so hatte es bei der Feuchtigkeit der Schimmel und die Insekten leicht, den Verfall voranzutreiben.

Schockiert war ich über riesige Löcher von mehr als daumengroßen Käfern, deren Maden noch größere Löcher in den massiven Holzstrukturen hinterlassen hatten.

Stark zersetztes Holz eines Batak Hauses im Pematang Purba

Neben den Holzbauten erinnerten auf dem Gelände noch christlich geprägte Gräber der Stammesangehörigen an die Christianisierung des ehemaligen Naturvolks. Auf Tafeln war zu erkennen, dass der letzte Herrscher vor etwa 80 Jahren verstorben war. Seitdem ist die Anlage dem Verfall preisgegeben.

Ich persönlich war nach dem Besuch der Pematang Purba etwas traurig und enttäuscht, dass es diese Palastanlage und die damit verbundene Erinnerung an die ehemalige Kultur bald nicht mehr geben wird. Es fehlt schlicht das Geld und meiner Meinung auch das geschichtliche Interesse der Gesellschaft, um das Königshaus zu erhalten. Wenn du die Überbleibsel der Batak-Architektur noch besichtigen willst, solltest du nicht zu lange warten! Es wird sie nicht mehr lange geben.

Vom Pematang Purba zum Toba-See

Wieder im Auto, starteten wir nach Parapat am Toba-See. Die Straße führte uns einige Kilometer entlang der Klippen, die zum See hin steil abfielen. Bevor wir in die Hafenstadt hinunterfuhren, hielten wir nochmal an, um die wunderbare Aussicht auf den See zu genießen. Außer ein paar kreisrunden Fischfarmen war weit und breit kein Boot in Sicht, das den See gestört hätte.

 

Blick von oben auf den Toba-See mit Fischfarmen und einer Insel

Wenige Stunden später legte unsere Fähre am Hafen von Parapat an. In der langsam untergehenden Sonne setzten wir auf die Insel Samosir über.

 

Ein grünes Boot fährt auf dem Wasser zur Vulkaninsel Samosir

Auf der eigentlich kurzen Strecke von Berastagi nach Parapat war an einem Tag wieder mal so viel passiert! Der Sipiso-Piso Wasserfall hatte mit seiner wilden Schönheit beeindruckt und die Hallen des Pematang Purba blieben mit ihrer kulturellen Bedeutung in Erinnerung.

Warum wir anstatt der geplanten drei Tage auf der Vulkaninsel Samosir fast eine ganze Woche dort verbrachten, erfährst du im nächsten Artikel. Wenn du eine Reise nach Sumatra planst, musst du unbedingt die Insel Samosir besuchen!

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